Vorstadtvilla für Familie

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In der Atmosphäre der Blockhaus-Villa, die inmitten eines blühenden Gartens steht, liegt etwas französisches und zur gleichen Zeit patriarchalisch russisches. Doch nach Ansicht der Autorin des Projekts Architektin Julia Nesterova, hier gibt es keinen bestimmten Stil: diese Villa in der Nähe von Moskau ist nur ein Haus, einfach und unbeschwert wie die Kindheit.

SALON: Wie hat alles angefangen?

Julia Nesterova: Der Auftragsgeber hat meine Werke in der Zeitschrift SALON-Interior gesehen und hat mir angeboten ihm und seiner Familie ein Haus in der Vorstadt zu entwerfen. Alles musste durchdacht werden – beginnend mit dem Relief und endend mit dem Interieur. Auf der einen Seite, du kannst machen was du willst, aber andererseits war das eine sehr schwere Aufgabe, denn wir hatten nichts, womit wir anfangen könnten – überall lagen nur Kamillenfelder. Von Anfang an haben wir uns für ein Blockhaus entschieden. Holz ist ein lebendiges, warmes Material, geeignet für den Bau eines Familienhauses, das für die Erholung an der frischen Luft bestimmt ist. Auf der anderen Seite, das Haus sollte auf keinem Fall wie eine Dorfhütte oder ein bayerisches Alpenhaus aussehen. Ich wollte ein neutrales Interieur entwerfen, das irgendeinem Stil oder Zeiten nicht zuordbar ist. Daher habe ich verschiedene Tricks eingesetzt um die Ländlichkeit des Hauses zu reduzieren. Stellen, wo das Holz sichtbar war, habe ich mit hellen, fast weissen Farben bemalt. Dies wurde gemacht damit das Holz zum Hintergrund wird. Der Bau hat einige Jahre gedauert, weil die Kombination von beweglichen Holzteilen mit Statischen Materialien (Fliesen, Ziegeln, Tapeten), hat den Einsatz von komplizierten technologischen und baulischen Kentnissen gefordert. Aber trotzdem, es war die Mühe wert.

Das Haus ist nicht zu klein und nicht zu groß. Als wir eine Diskussion über die Wohnfläche des Hauses hatten, haben wir uns für ein mittelgroßes Haus von 800 Quadratmetern entschieden. Dies ist die Perfekte Grösse für ein Haus, das nicht dauerhaft bewohnt wird. Die Räume sind je nach deren Bestimmung in Stockwerken aufgeteilt. Erdgeschoss ist repräsentativ. Hier ist ein Wohnzimmer mit Kamin, Esszimmer, das kleine Wohnzimmer, Gästezimmer und ein Schlafzimmer mit Badezimmer für die Eltern. Die gesamte zweite Etage ist für die Kinder bestimmt. Im Keller – ein Erholungs- und Unterhaltungs-Bereich mit Billard, Heimkino, Küche und einem Hauswirtschaftsraum. Da gibt es noch ein kleines Gästehaus mit Sauna. Beide Gebäude wurden so Platziert, dass das Innenbereich des Grundstücks von Aussen nicht sichtbar ist.

S: Erzählen Sie uns mehr über das Interieur.

Das Interieur wurde von meinen Reiseeindrücken aus Honfleur, einem Stadt in Normandie, beeinflusst. Ursprünglich wollten wir eine Villa wie ein Haus auf Wasser bauen aber aus technischen Gründen war es nicht möglich ein Teich auszugraben (Die Steigungsrichtung passte nicht) deshalb wurde diese Idee aufgegeben. Allerdings sind einige Meermotive im Interieur zu finden. Das Konzept wurde während des Bau-Prozesses mehrmals geändert, aber das Gefühl französischer Atmosphäre ist geblieben. Etwas belgisches ist auch dabei, zusammen mit russischen Motiven. Ich wollte dass das Interieur an eine Villa aus dem Anfang letzten Jahrhunderts erinnert.

S: Hier gibt es eine Menge von Grau. Die ganze Farbpalette ist auch eher unerwartet.

Ich mag kalte Farben und ich denke, dass sie zu unserem Klima besser passen als die warme italienische Farben ausserdem ist französisch-grau meine Lieblingsfarbe. Die ganze Farbpalette ist aus Hortensien entstanden. Ich zeigte diese Blume dem Kunden und sagte, dass diese Farbtöne im Interieur dominieren werden: „weich“ grau, blass rosa, grau-grün, matt gold.

S: Der Garten der Villa ist nicht typisch für die Moskauische Vorstädte. Es erinnert an einem Garten irgendwo in Europa…

Der Garten wurde in der Tat nach Europäischen Traditionen eingerichtet: wir hatten keine Gedanken es mit Tannen und Kiefern zu umgeben. Es unterscheidet sich von benachbarten Grundstücken in Farben und Formen. Die Farbpalette der blühenden Pflanzen, ist reicher und vielfältiger als wir es gewohnt sind. Wir haben den Garten mit Zwergapfeln, Weiden und wunderschönen Hortensien bepflanzt.

S: Was war bei Ihrer Arbeit am wichtigsten?

Möbel, Stil, Farben sind von sekundärer Bedeutung in einem Wohnraum. Für mich ist es am wichtigsten, dass ein Haus einfach ist, und Freude bring. Jedoch hat es einen enormen Aufwand und viel Mühe verlangt, damit die Besitzer sich in diesem Haus wohl und glücklich fühlen.

Projekt Autorin Julia Nesterova::
„Das ist mein Lieblingsprojekt. Ich hatte wirklich Glück, einen solchen Kunden zu haben: wir verstanden einander von einem halben Wort. Für mich ist ein Interieur keine Art, jemandem etwas zu beweisen. Das sind meine Gefühle und meine Wahrnehmung von einem Haus in einer Vorstadt. Hier hab ich alles umgesetzt was ich wollte, und nicht das, was gemacht werden muss, damit das Haus schick wird oder den sozialen Status der Besitzer entspricht. Es scheint, dass ich es tatsächlich geschafft habe, ein gemütliches Haus zu entwerfen, wo das Leben einfach und fröhlich ist.

Quelle: www.salon.ru